1864

Ein wichtiger Moment in der Geschichte des Hauses geschah bereits lange vor dessen Erbauung.

Man vermutet, dass das Grundstück sowie der anliegende Wernhaldenpark einst im Besitz des königlichen Hofgärtners von König Wilhelm I. lag. Der König erstand damals ein Pfund kalifornische Mammutbaumsamen. In der Gegend des Wernhaldenparks befinden sich über 40 dieser Bäume. Einer der Ältesten ist seither Teil des Grundstücks und prägt das historische Anwesen.

Ein hoher Baum mit üppigem grünen Laub und brauner Rinde vor blauem Himmel, umgeben von anderen Bäumen und Büchern, auf einem Dach mit roten Ziegeln

Der Mammutbaum auf dem Grundstück: ca. 38 Meter hoch

1910

Der erste Bauantrag wird im Januar 1910 gestellt. Noch im selben Jahr beginnt der Bau.

Da die Weinsteige, an welcher das Haus liegt, damals eine Straße für Kutschen war, wurde eine Art Kreisverkehr vor dem Hauptgebäude konzipiert, um Kutschen das einfache wenden zu ermöglichen.

Der damalige Erbauer war von Beruf Fabrikant und plante das Gebäude als Einfamilienhaus.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Anwesen behutsam erweitert. 1935 entstand die historische Wagenhalle, die heute als Garage mit Carport genutzt wird.

Architektonischer Entwurf eines Hauses mit Dach, mehreren Etagen, Balkonen und Fenstern, technische Maße und Beschriftungen.
Architektonischer Entwurf eines Hauses mit Dach, mehreren Etagen, Balkonen und Fenstern, technische Maße und Beschriftungen.
Zeichnung eines mehrstöckigen Hauses mit Satteldach, Balkonen, mehreren Fenstern und einem kleinen Turm auf dem Dach, handgezeichnet auf Papier.
Zeichnung eines mehrstöckigen Hauses mit Satteldach, Balkonen, mehreren Fenstern und einem kleinen Turm auf dem Dach, handgezeichnet auf Papier.

Auszüge aus dem originalen Bauantrag, 12. Januar 1910

1946

Das Haus hat beide Weltkriege überlebt und wurde in der Nachkriegszeit zur Unterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert.

Ein damaliger Bewohner hat uns von seiner Jugend in diesem Haus berichtet und konnte sich an Details erinnern , die heute weiterhin zu finden sind.

Er berichtete, zum Beispiel, von einer Schaukel, die er als Kind genutzt hat. Im Wald, am Rand des Grundstücks, lässt sich tatsächlich noch das verrostete und eingewachsene Gestell der Schaukel finden.

Schwarze und weiße Titelseite der Rhein-Neckar-Zeitung vom 24. Oktober 1946 mit Schlagzeilen, einem historischen Foto im oberen rechten Bereich und einem Porträt eines Mannes im unteren rechten Bereich.

Eine Zeitung von 1946, welche zum Ausstopfen des stillgelegten Speisenaufzugs verwendet wurde.

1960

Der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen e.V. erwarb das Gebäude und machte es für mehr als sechs Jahrzehnte zu seinem Hauptsitz sowie zum zentralen Treffpunkt der Gartenbaubranche der Region.

Der Name „Haus des Gartenbaus“ entstand in dieser Zeit und prägt das Gebäude bis heute. Straßenschilder an der Neuen Weinsteige sowie der silberne Schriftzug an der Einfahrt verewigen diesen Teil der Geschichte.

Ein Straßenschild mit der Aufschrift 'Haus des Gartenbaus', einem Pfeil nach links, und einem Blatt-Logo, umgeben von grünen Bäumen im Freien.

1983

Seit 1983 ergänzt ein markanter achteckiger Pavillon das Ensemble. Seine besondere Architektur, die großzügigen Balkone und die teilweise asiatisch inspirierte Gartengestaltung verleihen dem Anwesen bis heute seinen unverwechselbaren Charakter.

Von nahezu jeder Ebene eröffnet sich ein spektakulärer Blick über Stuttgart. Ob von den Balkonen des Haupthauses, den Geschossen des Pavillons oder sogar aus Teilen des Untergeschosses – die Stadt liegt dem Betrachter förmlich zu Füßen.

Architektonischer Entwurf eines Hauses und eines Pavillons, handgezeichnet, mit Fenstern, Türen und Dachdetails.

Eine Zeichnung vom Schnitt des Pavillons und des Haupthauses.

2021

Seit 2021 befindet sich das Haus des Gartenbaus im Besitz der Familie Guhr. Mit großer Sorgfalt, Respekt vor der Geschichte und viel Liebe zum Detail wurde das Anwesen umfassend kernsaniert.

Zahlreiche originale Elemente konnten dabei erhalten oder wiederentdeckt werden. Hinter Einbauschränken aus den 1960er-Jahren fanden sich historische Schiebetüren, Holzvertäfelungen und weitere Details, die über Jahrzehnte verborgen geblieben waren. Was die Zeit überdauert hatte, wurde aufwendig restauriert und wieder sichtbar gemacht.

Gemeinsam mit erfahrenen Fachhandwerkern und auf Grundlage der mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Sanierung historischer Gebäude, wurde das Haus Schritt für Schritt zu neuem Leben erweckt.

Heute verbindet das Anwesen den Charme seiner über hundertjährigen Geschichte mit den Ansprüchen moderner Nutzung – ein Ort mit Seele, Charakter und außergewöhnlicher Ausstrahlung.